Mittwoch, 11. Dezember 2013

Die Kunst, den Alltag zu adeln

Es ist da, das Buch, das ich schon lange veröffentlichen wollte: Ein richtiger Mann schreibt ein Buch!

Es ist das Buch zum Blog "Bodeständix" mit ausgewählten 27 Aufsätzen. Schön, wenn sie auch Dich dazu anregen, Deinen eigenen Alltag zu adeln und ihm mit einer neuen Lebendigkeit zu begegnen:


Die Kunst, den Alltag zu adeln

Wir leben in interessanten Zeiten. Altbewährtes ist brüchig geworden. Ehemals eherne Werte schmelzen dahin wie Eis unter der Sonne. In den Chefetagen unserer globalen Wirtschaft und nationalen Politik herrscht emsige Ratlosigkeit.
Vielleicht kann uns die (Wieder-)Besinnung aufs Wesentliche den Halt geben, den uns die unstete Aussenwelt nicht geben kann.
In 27 Aufsätzen beleuchtet der Autor die verschiedenen Facetten eines Alltags, der belebt und bewegt. Der uns lehrt, das Schöne im Schlichten zu erkennen. Die leisen Töne wahrzunehmen. Die Angst vor der Nähe zu verlieren. 
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Sonntag, 30. Dezember 2012

Geheimnisvolle Einsamkeit



Obedämmerig im Winter

So weich und fyn, so wie n e Mueterhand
vo Ihrem Chindli strychlet Schmärz und Weh,
so weich und fyn hett übers Dorf und 's Land
der Winter gstreut e silberreine Schnee.

's isch alles yghüllt in ei wysse Glanz.
Und d'Sunne Schnee vo Bäum und Dächer trinkt.
Der Waldrand glitzret wie n e Pärlechranz,
ass 's Aug im Glanz und Schimmer fascht vertrinkt.

Jetz schwäbbt der Obe still in churze Tag.
Und wyter yne wäbbt si lysli d'Nacht.
De luegsch und stuunsch und froggsch, was wärde mag
in all deer grosse, gheimnisvolle Pracht.

Und in dym Stuune chunnt der Mond und leit
der Aerde n a ess huuchfyns Silbergwand.
E stilli, gheimnisvolli Einsamkeit!
E Winterobe düsselet ins Land.

Emil Schreiber, 1888-1972

Montag, 24. Dezember 2012

Weihnachten



Markt und Strassen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so friedlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderlich beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld,
hehres Glänzen, heil´ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigt´s wie wunderbares Singen -
o du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff

Montag, 5. November 2012

Lasst den Sturm nur heulen

Die Novemberstürme brausen wieder über Land und machen das, was sie jedes Jahr tun: Gehörig Platz für die Winterruhe. Heinrich Seidel verstieg sich sogar zu folgender Poesie:

Solchen Monat muss man loben!
Ganzes Gedicht lesen ->>

Wenn wir schon über November-Stürme schreiben, dürfen natürlich auch Johnny  und seine Hurricanes nicht fehlen:



PS: Den Titel des heutigen Beitrags habe ich übrigens geklaut. Es ist der deutsche Buchtitel der amerikanischen Autorin Rose Wilder Lane, die 1933 diesen Roman unter dem Originaltitel "Let the Hurricane Roar" veröffentlichte. Dieses Buch schenkte mir vor langer Zeit meine Schwester zu Weihnachten und es gehört nach wie vor zu meinen Lieblingsbüchern.

Freitag, 14. September 2012

Gedanken über den Eidg. Dank-, Buss- und Bettag

 Foto: pixdaus.com

(Reload)  Nächstens feiern wir den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag. Es ist der älteste nationale Feiertag unseres Bundesstaates und gleichzeitig ein ökumenischer kirchlicher Feiertag; Ostern, Karfreitag, Pfingsten und Weihnachten gleichgestellt. Er erinnert uns an Moses, der sein Volk vom Tanz um das goldene Kalb abhielt und zur Annahme der zehn Gebote führte. Diese Umkehr des gottvergessenen Volkes, hin zu den Gesetzen Gottes ist das Grundmotiv des Bettages.

Wer meine Beiträge bisher gelesen hat, weiss, dass es mir bei allen volkskulturellen Überlieferungen – auch den Dank-, Buss- und Bettag möchte ich in diesem Kontext gewertet wissen – mehr darum geht, dem möglichen Gehalt, dem Sinn hinter der Form nachzuspüren. Dazu reicht wissenschaftliches Denken allerdings nicht aus. Dazu ist ein weiteres Organ vonnöten, das jedoch während der langen Zeit des Nur-Wissen-Sich-Aneignens immer mehr verkümmert. Dieses Organ erhält heute seine Bedeutung höchstens noch als Blutpumpe und erheischt seine Aufmerksamkeit dadurch, wenn es zu kollabieren droht. Ja, es wäre unser Herz, das Wissen lebendig macht.

Doch zurück zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, dessen Begehung in unseren Landeskirchen sein etwas kümmerliches Dasein fristet, weil die meisten Pfarrherren wohl studierte Theologen sind, doch äusserst selten Seelsorger.

Mit der Dankbarkeit ist es in der Schweiz nicht mehr so weit her. Wir fordern lieber und strafen (büssen) die Anderen mit Verachtung, wenn sie unsere Forderungen nicht erfüllen mögen. Auch das Geben (Gebet) liegt uns nicht und bereits Gottfried Keller warnte einst uns Schweizer davor, sich auf dem Lorbeer auszuruhen, den uns andere spenden.

Wir Schweizer haben das Nehmen zur Meisterschaft gebracht, müssen jedoch verdrängen, dass vor dem Nehmen das Geben steht. Doch es waltet ein natürliches Gesetz des Ausgleichs und es kommt die Zeit, wo uns für die Bezahlung nicht mehr Aufschub geleistet wird.

Das also ist aktuell des Schweizers gelebter Dank-, Buss- und Bettag und es möge halt jeder für sich entscheiden, wie er es damit hält. Ob sich für ihn Dankbarkeit überhaupt lohnt, das Büssen ein längst überholtes Relikt einfältiger Mönchsmoral ist und er das Gebet lediglich den frommen Soldaten der Heilsarmee zugesteht.

Mit der Dankbarkeit wie auch mit dem Gebet habe ich mich persönlich ausgesöhnt. Sie machen mir heute Sinn. Doch mit dem Begriff "Busse" stehe ich nach wie vor auf Kriegsfuss. In der religiösen Interpretation bedeutet es die Umkehr des Menschen zu Gott, von dem er sich durch die Sünde entfernt hat. Genau da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Dieser biblischen Urschulds-Geschichte kann ich nur wenig abgewinnen.

Wie wäre es jedoch, wenn ich dieses "Busse tun", diese Umkehr, in einem etwas anderen Lichte betrachten würde? Fernab aller päpstlichen, priesterlichen und pfarrherrlichen Machtgelüste? Wenn ich anstelle der religiösen Umkehr einfach meine aufrichtige Reue für alles Negative der Vergangenheit - meine nicht so netten Taten, Gedanken und Worte - setzen und gleichzeitig für meine Zukunft den festen Entschluss fassen würde, nicht wieder diesbezüglich zu versagen? Meine Zukunft so zu gestalten, dass sie keine Makel mehr aufweist, und zwar nicht bloss in meinen Taten, sondern ebenso in meinen Worten und Gedanken?

Mittwoch, 4. Juli 2012

Die (Volks-)Kultur der Erholung


Die Sommerferien sind da. Die Kinder atmen erleichtert auf. Endlich können sie tun, was ihr Herz begehrt, ohne an lästige Hausaufgaben erinnert zu werden. Viele Familien benützen die Sommerzeit, um gemeinsam in nahe oder ferne Feriengebiete zu verreisen.

In früheren Zeiten wäre es undenkbar gewesen, in der damals arbeitsreichsten Jahreszeit in die Ferien zu verreisen. Die Geschichte der Ferien ist denn auch eng verknüpft mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, v.a. durch die Veränderungen der Produktions- und Arbeitsweisen (Industrialisierung) und die Durchsetzung hygienisch begründeter Vorstellungen von Gesundheit und Erholung und auch durch die Entwicklung des Wohlstands und des Tourismus.

Ursprünglich geht der Begriff Ferien auf das lateinische Wort „feria“ zurück mit der Bedeutung Festtage, Feste. Solche Festtage waren nicht nur religiöser Herkunft, sondern auch bäuerliche Kalenderfeste wurden begangen. In den Wintermonaten gab es mehr solche Feste als im Sommer, weil die Bauernarbeit im Sommer seit jeher grösser gewesen ist als im Winter.

Ich erinnere mich gerne an die eigene Sommerferienzeit in der Kindheit zurück. Die ersten beiden Wochen liebte ich. Praktisch alle Nachbarskinder waren noch da, mussten nicht in die von Oben verordneten Ferien verreisen. Doch wenn dann die „Uhrenmacherferien“(so bezeichnete man die Fabrikferien im Waldenburger-tal/Baselland) anstanden, wurde ich ein bisschen traurig, weil meine Spielkameraden zusammen mit ihren Familien verreisten. Einige von ihnen verbrachten sogar regelmässig die Ferien am Mittelmeer. Im Gegensatz zu diesen Familien war bei uns in den "Uhrenmacherferien" nicht Mittelmeer, sondern Kirschenernte angesagt.

Doch eben: Die ersten beiden Wochen waren für uns Kinder reserviert. Da konnten wir ausgiebig spielen, ohne ans lästige Hausaufgabenmachen erinnert zu werden. Etwas vom Schönsten, was wir spielten, war das 'Plänlis'. Und das ging so: Schnell waren zwei Gruppen abgezählt. Die eine Gruppe hatte den Auftrag, sich irgendwo im und ums Dorf zu verstecken, vorher jedoch mit Kreide einen entsprechenden Plan für die Suchgruppe auf die Strasse zu zeichnen. Natürlich hatten wir sämtliche Tricks drauf, um im Plan nicht schon alles zu verraten. Die Suchgruppe musste also rätseln, wo sie die andere Gruppe wohl finden würde. Und dann ging's los. Ich spüre noch heute das Kribbeln, das mich beim Verstecken befiel. – „Ob die uns wohl heute finden werden?“ Und die Suchgruppe neigte die Köpfe so lange über den Plan auf der Strasse, bis zumindest einer meinte, des 'Pudels Kern' nun gefunden zu haben.

Dann war natürlich auch Zelten angesagt. Jedoch nicht wie heute mit allem Schnickschnack. Wir bauten uns die Zelte noch selber - im eigenen Garten. Mit Obstharassen, Segel- oder anderem Tuch und vielen Wäscheklammern (sehr zum Leidwesen unserer Mütter). Da konnten wir dann stundenlang in diesen Zelten spielen und oh grosses Glück: Auch übernachten.

Mittwoch, 14. März 2012

Botschafter des Himmels

Bevor ich mein Tageswerk beginne, gönne ich mir meistens einen kleinen Waldspaziergang. Seit kurzem klingt und singt es während dieses frühmorgendlichen Marsches von allen Bäumen und aus allen Gebüschen. Die Vögel haben ihre Stimme wieder gefunden. Sie begrüssen, jede Art auf ihre ganz typische Weise, die Boten des Frühlings. Gerne lehne ich mich an einen Baum und höre diesem frühlingshaften Trillieren und Jubilieren zu. Ich erinnere mich an meine Kindheit, wo mir der Frühling auch schon liebste Jahreszeit gewesen ist. Ich konnte es kaum erwarten, bis dass die Sonne wieder mehr wärmte und ich draussen spielen konnte. Die Wiesen, damals alle noch ungedüngt, zeigten ihr frühlingshaftes Gewand: "Guggerblumen" (Wiesenschaumkraut), Schlüsselblümchen und weitere farbenfrohe Gewächse in üppiger Vielfalt steigen vor meinem geistigen Auge auf. Ich liebte es, mich inmitten die "Guggerblumen" zu setzen und die Welt aus ihrer Sicht zu betrachten.

Doch wieder zurück zu den Vögeln. In meiner Kindheit kannte ich praktisch jeden Vogel, wusste um seine Eigenheiten, erkannte ihn an seinem Gesang. Ich hatte auch einen überaus kompetenten und geduldigen Lehrmeister: Meinen Vater. Er war eingeschriebenes Mitglied und hochgeachteter Rechnungsrevisor des örtlichen Natur- und Vogelschutzvereins. Er nahm mich mit auf seine Streifzüge durch die Wälder, geriet in Entzücken, wenn er wieder einmal eine ganz seltene Vogelart erblickte, pfiff mir die verschiedenen Vogelmelodien vor und tat eigentlich alles, um in mir die Liebe zur Natur und zur Tierwelt zu wecken. Selbstverständlich liess er mich auch gerne in seinen ornithologischen Büchern stöbern und ich konnte ihn alles fragen, was mir nicht auf Anhieb einleuchtete. Wenn er einmal etwas nicht wusste, was übrigens äusserst selten vorkam, dann meinte er nur trocken: "Ach, bin ich "pfyffeholzdumm" (über die Herkunft dieses arigen (seltsamen) Ausdruckes weiss ich leider nicht mehr Bescheid) .

Als ich in der zweiten Sekundarklasse gewesen bin, nahmen wir auch die Vogelwelt durch. Wie freute ich mich darauf. Hier konnte ich mit meinen Wissen brillieren. Endlich kam die langersehnte erste Unterrichtsstunde. Doch oh Graus: Nichts von alledem, was ich kannte und so liebte, lehrte uns der Biologielehrer. Er zeigte uns zu meiner grossen Enttäuschung lediglich Vogelskelette und erklärte uns mehr schlecht als recht, weshalb Vögel fliegen können, was mir jedoch nicht ausreichte, weil ich es nämlich besser wusste:

Vögel können fliegen, weil sie uns mit dieser Gabe Botschaften aus himmlischen Gefilden herunterbringen können. So wenigstens erklärte es mir mein Vater damals auf unseren Streifzügen durch die Wälder meiner Kindheit.

Montag, 12. März 2012

Pur ti miro, pur ti godo

Erstaunlich:

Freitag, 9. März 2012

Frisch datiertes Gammelfleisch bei Coop Schweiz

Bodeständix pflegt bekanntlich vielerlei Laster und die pflegt er überaus liebevoll: Rauchen, Bier trinken und üppig Fleisch essen. So wollte er heute wieder einmal seinen Fleischesgelüsten frönen. Aufs Fahrrad sich gesetzt und ab in den örtlichen Coop in Utzenstorf. Ein nettes, abgepacktes 'Fondue Chinoise' - selbstverständlich Bio - sich gekrallt und nix wie nach Hause, um gepflegt die 400 gr. Bio-Rindfleisch reinzuhauen. Doch oh Schreck:

Verrottetes Bio-Gammel-Fleisch - frisch von Coop!


Bodeständix hat extra im Coop-Laden peinlichst genau nach dem Ablaufdatum geschaut, denn im letzten Herbst ist ihm Unangenehmes passiert. Er hat nämlich abgelaufenes Fleisch gekauft und musste es deshalb umgehend entsorgen. Damals reklamierte er aus Bequemlichkeit nicht und dachte sich dabei: Kann ja mal passieren, den unterbezahlten Coop-Mitarbeitern/innen kann ja mal ein Fehler unterlaufen,  und überhaupt: Ich bin ja selbst schuld, dass ich das Ablaufdatum nicht gecheckt habe.

Doch jetzt war das Ablaufdatum - wenigstens auf der Verpackung - stimmig:

Zu verkaufen bis 26. Mai 2012 - zu konsumieren bis 27. Juni 2012
Kein Problem, dachte sich BodeständiX, hat bezahlt:
Im Nachhinein festgestellt, dass die Portion 50 % billiger ist. Coop verkauft also Gammelfleisch günstiger! Nett.

und ist frohgemut nach Hause geradelt. Dann kam das böse Erwachen: Gammeliges Fleisch, vom Geschmack her grauenhaft. Bodeständix vermutet nun, dass die Coop-Gewaltigen ihre MitarbeiterInnen dazu verdonnern, abgelaufene Ware neu zu etikettieren. Bodeständix findet das einen waschechten Skandal und dieses Mal wird er nicht schweigen, sondern alle Hebel in Bewegung setzen, damit solches nicht anderen Leuten passieren wird.

PS: Am Montag werde ich das Gammelfleisch ans Kant. Lebensmittelinspektorat einschicken (ich hab's dazu fein säuberlich in der hauseigenen Kühltruhe eingefroren!). Mein Magen sagt mir nämlich, dass dieses Fleisch der Gesundheit eindeutig nicht förderlich ist.



Dienstag, 14. Februar 2012

Von der guten, alten Bahnhofszeit

 Bahnhof-Wartesaal I. und II. Klasse im Jahr 1914 
(Bild-Lizenz: Public Domain)

Früher konnte ich es mir kaum anhören, wenn ältere Menschen über den Winter klagten und den Frühling herbeisehnten. Unbegreiflich, dass diese älteren Menschen keine Freude an der kalten Jahreszeit hatten. Doch langsam kommt BodeständiX auch in diese Klagejahre. Er sehnt sich nach der wärmenden Frühlingssonne, nach der duftenden, frischen Erde, nach den Schneeglöckchen, Krokussen und "Guggerblumen"...

Letzten Freitag musste er berufshalber ins Baselbiet verreisen und kam spätabends zurück ins trauliche Bernerdorf, wo er seit nunmehr acht Jahren seine Zelte aufgeschlagen hat. In Olten musste er über eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten. Es zog fürchterlich durch diesen Bahnhof und es gab keine Aufwärmoasen. Alle geschlossen um diese Zeit. BodeständiX liess frierend seine Erinnerungen zurückschweifen in die Zeit, als die Bahnhöfe noch mit gut geheizten Wartesälen aufwarten konnten. Sogar Raucher-Wartesäle gab es damals! Es war köstlich, in diesen warmen Stuben sich die Zeit mit Lesen zu verkürzen. Vielleicht lag sogar ein munteres Schwätzchen mit anderen Reisenden drin. Ach ja, damals gab es auch noch sogenannte Bahnhofbuffets, die selbverständlich auch nach 22 Uhr offen waren.

Und heute? Alles durchökonomisiert. Das scheinbar Unrentable wurde wegrationalisiert. Es macht für BodeständiX deshalb selten mehr Freude, vor allem im Winter, mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs zu sein. Trotz dieser Sparmassnahmen schreibt die SBB regelmässig tiefrote Zahlen. Im Gegensatz zu früher, als es noch "muttelig-warme" Wartesäle, rauchige Bahnhofbuffets und öffentliche Bahnhof-Toiletten (gratis!) gegeben hat.

Auch lange noch nach 22 Uhr.


Montag, 19. Dezember 2011

Das trauliche Gefühl von Weihnachten

 Foto: pixdaus.com

Ich bedanke mich bei allen Leserinnen und Lesern meines Blogs fürs aufmerksame Lesen und wünsche frohe Weihnachten. Als kleines Dankeschön schalte ich meinen Beitrag aus dem Jahr 2009 über eben dieses Fest auf:

Passend zur kommenden Weihnachtszeit und zum Jahresende möchte ich einen weiteren Aspekt der Volkskultur beleuchten: Die Volksfrömmigkeit. Wieder ein Ausdruck, der von der Kulturwissenschaft gar nicht geliebt wird, obwohl sie ihn früher selbst kreiert hatte. Die Volksfrömmigkeit ist, auf einen einfachen Nenner gebracht, die gelebte Antwort des Menschen auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens. Sie spricht die Sinne und das Gemüt stärker an als den Verstand. Sie liebt ausdrucksstarke Formen und sucht die Nähe.

Die Kirchenoberen hatten wohl nie grosse Freude daran, wie ihre Schäfchen die vorgegebenen Glaubensinhalte und Praxisformen ihren eigenen Bedürfnissen anpassten und sie kreativ umwandelten. Gerade die Weihnachtszeit mit ihren Bräuchen steht exemplarisch für eine solche Volksfrömmigkeit. Die heute geläufigen Formen und Bräuche wie Christbaum, Christkind und teils noch die Krippenspiele zeugen davon. Sie sind jedoch nicht so alt, wie es uns gerne scheinen mag. So hat Weihnachten ihre Bedeutung als Gemeinschaftserlebnis und Familienfest des Jahres erst in neuerer Zeit erlangt. Die Wurzeln liegen bekanntlich in der kirchlichen Feier der Geburt Christi, die - im Gegensatz zum heidnischen Fest der Wintersonnenwende - im frühen 4. Jahrhundert in Rom eingeführt wurde und sich rasch über das römische Staatsgebiet ausbreitete. Die spezifisch christlichen Formen entwickelten sich jedoch erst im Spätmittelalter (Mitte 13. bis Ende 15. Jahrhunderts). Dazu gehörten die Weihnachtsspiele, die sich zunächst im klösterlichen Umfeld herausbildeten und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von Pfarreien, Schulen und Vereinen gepflegt wurden. Wie liebten wir es doch als Kinder, wenn wir in der Schule solche Krippenspiele für unsere Eltern und Verwandten aufführen durften. Es galt als schauspielerische Höchstauszeichnung, den Josef oder die Maria zu spielen. Ob auch heute noch solche Krippenspiele an den Schulen aufgeführt werden (dürfen!), entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Der Christbaum als Herzstück des Weihnachtsfestes ist noch jüngeren Datums. Er breitete sich nämlich erst im 19. Jahrhundert von Deutschland her allmählich in der Deutschschweiz aus. Zunächst lediglich in den Kirchen, Schul- und Pfarrhäusern der reformierten Städte.

Heute kennen wir Weihnachten eher als das Fest der Geschenke und es wäre wohl interessant zu erfahren, wie viele Menschen den Ursprung und Sinn des Festes noch kennen. Weihnachten wurde übrigens erst ab dem späten 19. Jahrhundert zum Fest der Bescherung. Vorher fand die Bescherung nämlich vornehmlich am Nikolaustag (in katholischen Gebieten), am Dreikönigstag (im Tessin) und in den reformierten Gebieten mehrheitlich an Neujahr statt. Das Christkind als Gabenbringer wurde übrigens in katholischen Gebieten lange als reformierte Vorstellung empfunden. Doch das Christkind konnte sich allmählich als beliebter Geschenkebringer durchsetzen und verdrängte Gestalten wie Chalande (Genf), Chauche-vieille (Waadt) oder Père Noël (Jura).

Ich mache mir seit geraumer Zeit diese Volksfrömmigkeit zunutze und halte am Heiligen Abend ein für mich stimmiges Ritual ab. Den Heiligen Abend habe ich exklusiv für mich gepachtet. Da gibt's keine Besuche. Da bin ich unabkömmlich. Wenn's dann so richtig dunkel wird, gehe ich hinaus in die Natur, mache mir im finsteren Wald ein kleines Feuer und setze mich dazu. So kann ich die ganz eigenartige Stimmung - das trauliche Gefühl von Weihnachten -  für mich geniessen.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Wer Hoffnung weckt, wird umgebracht

Heute vor 47 Jahren starb auf mysteriöse Weise eine der schönsten, stärksten und bewegendsten Stimmen des Souls: Sam Cooke. Er wurde nur 33 Jahre alt. Möglicherweise wurde Sam Cooke ins Jenseits befördert. Nach Sam Cookes Tod erschien der wohl allergrösste Song von ihm: "A Change Is Gonna Come". Viele glaub(t)en, dass es dieser Song gewesen ist, weshalb Sam Cooke sterben musste. Dieses den Schwarzen Amerikas Mut machende  Lied, gesungen mit einer unglaublichen Stimme,  war wohl für die weisse Elite Amerikas zu starker Tobak. Doch hört selbst:

Copyright 2007- : BodeständiX

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